Ausführliche Übungsanleitung zum Artikel „Liebe jenseits von Beziehungssucht“ in „Sein“ Berlin August 2016, bzw. "Was Narziss braucht" in „Visionen“ August 2013

Wie im Artikel Liebe jenseits von Beziehungssucht angekündigt, findet Ihr hier eine kleine hypnotherapeutische „Selbst-Liebe-Übungsanleitung“. Diese unterstützt uns darin, die Quelle dessen was wir normalerweise in Beziehungssucht suchen würden, in uns selbst zu finden. Was für eine wesentliche Grundlage diese Entdeckung ganz nebenbei für wirklich liebevolle und erfüllte Beziehungen bedeutet, habe ich ja im eben genannten Artikel ausführlich beschrieben. Den ganzen Artikel findet Ihr hier.

Im Folgenden beziehe ich mich in der Einleitung und Übungsanleitung zwar auf „narzisstische Kränkungen“ und „narzisstisches Sehnen“ entsprechend dem damaligen Artikel. Ihr könnt dies alles aber ebenso gut lesen und anwenden als „Bedürfnis nach Liebe und Anerkennung“, bzw. „Selbst-Ablehnung“ oder gar „-hass“.

Artikel "Was Narziss braucht" in „Visionen“ August 2013

In der August 2013 Ausgabe des Magazins "Visionen" gibt es einen Artikel von Padma Wolff. Hier finden Sie die ausführliche Fassung der hypnotherapeutischen Selbst-Übung, die darin angekündigt wurde. Das Heft enthält eine gekürzte Fassung sowohl dieser Übung als auch eines Textes über Narzissmus, seine verschiedenen Erscheinungsformen und mögliche heilsame Antworten auf die Bedürfnisse, die sich dahinter verbergen. Hier zunächst die Vorschau von der website der „Visionen“ – unten die darin angekündigte ausführliche Übungsanleitung:

Vorschau zum Artikel

WAS NARZISS BRAUCHT -
Ein hypnotherapeutischer Weg zu umfassender Selbstliebe

Wir sind wohl alle mehr oder weniger „narzisstisch“, von unserem Ego fasziniert und besessen. Wer sich daraus lösen möchte, ist mit dem folgenden Ansatz der Diplompsychologin Padma Wolff gut beraten.
Vom spirituellen Standpunkt aus betrachtet besteht die Befreiung vom Narzissmus darin, unsere wahre Natur jenseits unserer persönlichen Identität wiederzuentdecken und darin zu ruhen. In diesem Urgrund des Seins löst sich die Idee eines getrennten Ichs und damit auch seine Gefangenschaft in Minderwert oder Größenwahn auf. Bedürftigkeit und Ringen um Bedeutung und Anerkennung erledigen sich von selbst, sobald die Nichtigkeit dieses imaginären Ego-Selbst durchschaut und die dazugehörige Demütigung angenommen und durchstorben ist. Das Selbst offenbart sich als ungetrennt eins mit allem.
In der narzisstischen Verblendung versucht unser Ego, den Mangel und Makel der Abtrennung von der Liebe des Seins durch egozentrische Großartigkeit zu kompensieren.  ... weiter in der aktuellen Print-Ausgabe der Visionen

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Ausführliche Anleitung "von Narzissmus zu Selbstliebe: eine hypnotherapeutische Selbstübung"

Narziss aufspüren
Du kannst die folgenden Anregungen ersteinmal überfliegen, um Dir einen Überblick zu verschaffen. Doch um sie möglichst wirksam zu nutzen, empfehle ich Dir, Dich in Ruhe darauf einzulassen. Gib Dir den Raum, mit der Anleitung jeweils Schritt für Schritt Deine eigenen Vorstellungen entstehen und sich entfalten zu lassen. Lass Dich in die Bilderwelt fallen. Spüre nach. Gönne Dir Zeit für Dich, Dir selbst all diese wohlwollende Aufmerksamkeit zufließen zu lassen…

Kannst Du Dir eine Situation vorstellen, in der „Narziss“ in Dir aktiv ist? Kann sein, dass Du ihn schon deutlich spürst und als solchen wahrnimmst. Es mag aber auch sein, dass Du überhaupt gerade erst auf die Idee kommst, diesem Anteil in Dir nachzuspüren. Du kannst vermutlich zwei Arten von Narzissmus entdecken. Zum einen gibt es ein narzisstisches Sehnen. Das sind innere Vorstellungen darüber, dass Du gerne großartig, begehrt und beliebt wärest. Eventuell sogar auf Kosten Anderer oder unter Nicht-Beachtung von deren Bedürfnissen und Gefühlen. Manchmal bilden wir uns sogar ein, diese Wünsche wären schon erfüllt – z.B. in Phasen von Verliebtheit oder Erfolgsrausch. Doch meist werden wir bald  wieder ent-täuscht oder glauben, diese Enttäuschung abwehren zu müssen. Oder Du sehnst Dich einfach danach, besser zu sein, mehr beachtet, wertgeschätzt, geliebt zu werden.

Zum anderen entdeckst Du auch narzisstische Kränkungen. Die zeigen sich als nagendes Gefühl von Unbefriedigtsein, z.B. wenn Du unglücklich verliebt bist oder Dich gerade von Ablehnung oder Kritik ins Herz getroffen fühlst oder sie auch nur befürchtest. Oder Du fühlst Dich schlichtweg elend, minderwertig und herabgesetzt, vielleicht schneidest Du im Vergleich mit anderen schlechter ab… vielleicht gibt es sogar Szenen von Beschämung, Peinlichkeit oder gekränkter Eitelkeit, die wieder und wieder in Deinem Geist ablaufen…

In diesem Fall spür einfach dem Gefühl in Dir nach, das z.B. in einer Situation von Kränkung oder  Unerfülltheit ausgelöst wurde. Wichtig ist dabei, dass Du Dich nicht in der Fortsetzung der Geschichte darüber verlierst, wer wem was getan oder gesagt hat und wie es gelöst werden sollte. Bleibe stattdessen dabei, das reine Gefühl wahrzunehmen - die Wut, Traurigkeit, Verzweiflung oder was sich gerade zeigt.

Stell Dir nun vor, dieses Gefühl wäre ein kleines Kind. Du schaust aus etwas Abstand auf dieses unglückliche Kind. Mag sein, dass Du dabei eine Situation siehst, wo dieses Gefühl vielleicht seinen Ursprung nahm. Oder vielleicht bleibt es eine vage Vorstellung eines Kindes. Bleibe in der inneren Bilderwelt. Was wäre das für ein Kind? Wie sieht es aus? Wie alt ist es ungefähr? Wie fühlt es sich? Dann frage Dich: Was braucht dieses Kind in dieser Situation? Was würde für sein Erleben einen hilfreichen, heilenden Unterschied bewirken? Was würde das Kind wirklich zutiefst befriedigen? Welche Antwort auf dieses Gefühl würde diese ganze Geschichte überflüssig machen oder in Frieden zum Ende kommen lassen? Vielleicht braucht das Kind einfach nur, endlich mal in bedingungsloser Liebe und vollstem Verständnis gesehen und gehalten zu werden. Oder es möchte Deine Erlaubnis und Ermutigung, so zu sein, wie es gerade ist. Es mag auch sein, dass es irgendwas Bestimmtes von Dir hören möchte, wie „Du kannst nichts dafür.“ „Alles ist gut"“, „Du bist völlig in Ordnung“, „Ich liebe Dich, genau so, wie Du bist“…- was wären Deine Worte?

Narziss antworten und lieben
Wie wäre es, Dich diesem Kind so zuzuwenden? Ihm alle Liebe, Mitgefühl und alles, was es wirklich braucht, zukommen zu lassen? Vielleicht kannst Du ihm in die Augen schauen und eine Verbindung von Herz zu Herz fühlen. Stell Dir ausführlich visuell und möglichst sogar körperlich mit allen Sinnen vor, zu spüren, wie diese Liebe als Licht, Energie oder Nektar von Deinem Herz zu diesem Kind fließt. Jede Zelle seines kleinen Körpers wird davon durchflutet und genährt … Lass Dir Zeit, bis das Kind wirklich alles erhalten hat, was es braucht, bis es zutiefst zur Ruhe kommt. Dabei kannst Du den Heilkräften Deines Unbewussten vertrauen. Es weiß genau, was gebraucht wird.
Sollte es Dir schwer fallen, die Liebe für das Kind wie oben beschrieben aufzubringen, kannst Du auch zuerst die "Begegnung mit dem idealen Zukunftsselbst" anwenden, wie ich sie im nächsten Absatz beschreibe. Lass dieses Zukunftsselbst sich dem Kind zuwenden und Dein gegenwärtiges Selbst kann einfach dabeisein und mit-lernen und -empfangen.

Stell Dir vor, wie sich Dein zukünftiges Selbst idealerweise entwickelt haben wird, wenn es alles hat, was es braucht, wenn es sich optimal nachgenährt, völlig in Liebe erfüllt entfalten kann. Wie wäre dieses zukünftige Selbst? Wäre es ein ganz und gar erleuchtetes, weises Selbst? Oder einfach völlig in sich ruhend und liebevoll? Entschlossen, kraftvoll und klar? Freudig erfüllt? Auch hier kannst Du Deinem Unbewussten vertrauen, entsprechende Bilder auftauchen zu lassen. Wie alt wäre dieses Selbst? Wie würde es aussehen? Wie würde es auf Dich schauen? Wie fühlt es sich an, ihm gegenüberzustehen? Von ihm Liebe, Wertschätzung und Mitgefühl zu empfangen? Von ihm wirklich in aller Tiefe gesehen zu werden? Was, wenn es auch all die dunklen Stellen in Dir, alle Schwächen, Macken, Unzulänglichkeiten voller Herzenswärme und Verständnis annehmen könnte? Erlaube Dir, eine Weile darin zu baden und aufzutanken.

Dann kannst Du damit experimentieren, die Positionen zu wechseln. Du kannst Dir vorstellen - wieder körperlich, möglichst mit allen Sinnen - mal das Kind zu sein und aus dessen Augen auf die beiden anderen zu schauen, dann wieder das Zukunfts-Selbst oder das jetztige. Nimm mal wahr, wie das Kind auf das zukünftige Selbst schaut, vielleicht voller Bewunderung… dann wie Du die beiden siehst… und wie sie Dich anschauen… Wie ist das, so zu sehen und gesehen zu werden? Was würden diese Selbste einander sagen oder geben?

Mit all dem kannst Du jederzeit weiterexperimentieren. Der Kontakt mit dem Kind und dem Zukunfts-Selbst kann sich weiterentwickeln. Vielleicht willst Du sie manchmal ganz bewusst dazuholen – sei’s in besonders schwierigen Situationen, oder auch gerade wenn einfach mal entspannt Zeit ist, wie morgens vorm Aufstehen oder abends vorm Einschlafen, oder einfach zwischendurch beim Warten an der Kasse. Du kannst neugierig sein, wie sich diese Selbst-Liebes-Beziehung entfalten wird, wie Ihr drei einander heilsam und nach-nährend unterstützen könnt – und wie sich von da aus Liebe und Wertschätzung ganz wie von selber auch in all die bisher noch abgelehnten dunklen Stellen und nach außen ausdehnen können.

Im Fall narzisstischen Sehnens, Erlebens oder Fantasierens geht der Trick noch einfacher: Stell Dir vor, Du hättest schon ganz genau all das, was Du in Deinen narzisstischen Vorstellungen von Verliebtheit, Großartigkeit, Erfolg usw. haben willst. Das nimmst Du jetzt einfach und stellst Dir vor, Du schaust damit auf Dich selbst und lässt es Dir zufließen, einschließlich der Bewunderung dafür. Erlaube Dir, wirklich die Erfüllung zu fühlen, als ob die Zellen davon trinken und genährt werden könnten.

Wenn alles satt und von Liebe getränkt ist, wie ist das? Was bleibt? Wer oder was bist Du, was all diese verschiedenen „Selbste“ sehen und mal die eine, mal die andere Postition einnehmen kann? Woher kommt diese Liebe? Was ist deren Quelle? Und wie wäre es, wenn Du Deine Identität dahin verlagern könntest: was wenn das ist, wer oder was Du wirklich bist? Die anderen Erscheinungsformen waren nur vorübergehende Zustände, Fehlidentifikationen. Von hier aus können sie alle gliebt werden – und zugleich gesehen werden als das was sie sind: nur flüchtige Phänomene, Ausdrucksformen, die die Liebe vorübergehend annimmt. Du musst logischerweise das sein, was bleibt und sie alle wahr- und annehmen kann. Wie ist es, von hier aus, als Liebe auf Dich und die Menschen um Dich herum zu schauen?